Die Sehnsucht nach einem Leben aus Zuversicht und Gewißheit

 L Winterweg1Die Geschichte, die ich euch heute schenken möchte, ist aus  dem Buch „Im Land der Verheißung“ von Manfred Kyber. Ich fand sie dieser Tage in meinem Mail-Briefkasten in einem Newsletter. Mehr zufällig nahm ich mir die Zeit, sie mit Bedacht zu lesen. Etwas in ihr rührte mich zutiefst an.Nach einem Weilchen des Nachsinnens  begann ich den Dialogbeginn der Bärin mit Bruder Immanuel noch einmal zu lesen und blieb am Satz:…..“es ist etwas auch in euch von der Verwirrung der Kette der Dinge, sonst würdet ihr nicht krank werden können. Auch das wird einmal nicht mehr sein..“, hängen. Ja, da war es wieder, genau diese Zeilen stießen etwas in mir an. Es war, als wenn diese kleinen Zeilen, eine Sehnsucht in mir zum Klingen brachten…eine  Sehnsucht nach einem Leben aus Zuversicht und Gewissheit.

Wirkliche Liebe ist nicht überhaupt nicht lieb, im Sinne von“ lieb sein“. Wirkliche Liebe schaut eben nicht weg, wenn ein Fehler gemacht wird, wenn ein Mißgeschick, ein Fehler oder etwas Schlimmes passiert. Im Gegenteil, Liebe schaut ganz genau hin. Nicht nur oberflächlich sondern eindringlich. Liebe verharmlost nichts und fürchtet letztlich auch nichts – auch nicht den Schmerz, der dadurch entsteht, dass sie offenlegt, was geschehen ist, was vertuscht werden soll oder was in einem irreführenden Gewand daher kommt.

Liebe öffnet die Augen, Liebe betrachtet die Ereignisse, wie sie sind. Sie sieht auch den Fehler, das Unschöne, das Unwahre…nur schaut sie nicht richtend, sondern auf-richtend darauf. Echte Liebe kann das, weil sie auch sehen will, was beugt, was lähmt, was vergessen ist, was krümmt…sie sieht auch „die Verwirrung der Kette der Dinge“. Und nur weil sie alles anschaut, nichts ausschließt und nicht wegschaut, macht  echte Liebe auch lebendig. Sie leuchtet in der Wirklichkeit des Alltags und sie beleuchtet ihn. Liebe macht hell, klärt auf. Und das läßt uns leben……..

Es ist diese Gewißheit, die Bruder Immanuel in mir anregt……zu wissen, dass die wirkliche Liebe in uns,  darauf achtgibt, dass die negativen Folgen lieblosen Denkens und Handeln möglichst gering bleiben. Sie weiß um das Unvollkommene, um unsere Abgründe. Und sie appeliert an das Gute und Vollkommene in uns….Ja, das Handeln danach stillt unsere Sehnsucht, denn es  ist ein Leben aus Zuversicht und Gewissheit….

Und vielleichst erkennst ja auch du, dass  du auf dem Pfad eines “ älteren Bruders“ wandelst…..Ich danke dir dafür, denn durch Menschen wie dich, kann es geschehen, daß in der „Verkettung der Dinge“ immer wieder ein Glied entwirrt wird und Erlösung geschehen kann. Schauen wir gemeinsam mit den Augen der Liebe in die Ereignisse……damit das Leben aufatmen kann, weil es von Gewißheit und Zuversicht getragen wird.

In diesem Sinne wünsch ich dir von ganzem Herzen eine schöne liebevolle Adventszeit

Von Herzen, Angela

 

Eine wunderbare Nacht

Es war schon spät, da geschah es, dass an die Tür der Hütte geklopft wurde. Bruder Immanuel
stand auf von seinem Lager und öffnete. Vor ihm im Dunkel der Nacht stand wie ein riesiger
Schatten eine große Bärin. Es hätte einen anderen wohl grauen können; aber Bruder Immanuel
sah, dass die Bärin in Not war, denn sie führte ihr Kind an der Tatze, das krank war. „Ich habe
gehört, dass du ein älterer Bruder bist“, sagte die Bärin sehr bescheiden, „mein Kind ist krank,
vielleicht kannst du ihm helfen. Wir haben es mit einigen Kräutern versucht, die wir kennen, aber
es hat diesmal nichts geholfen.“

„Man muss dazu noch andere Kräuter kennen, liebe Schwester“, sagte Bruder Immanuel sehr
freundlich, „es ist etwas auch in euch von der Verwirrung der Kette der Dinge, sonst würdet ihr
nicht krank werden können. Auch das wird einmal nicht mehr sein.“

Das Eichhörnchen hatte sich knurrend und fauchend erhoben. „Lieber Bruder“, sagte Bruder
Immanuel zu ihm, „gehe und suche mir die Blume mit dem roten Kelch, die am Weg der Dornen
blüht, und rufe die Hirschkuh, denn ich brauche etwas Milch, weil jemand krank ist.“ Das
Eichhörnchen verschwand im Dunkel und Bruder Immanuel deckte den kleinen Bären sorgsam
zu. Als das Eichhörnchen zurückkam, hatte es die rote Blume mitgebracht. Draußen vor der
Hütte stand die Hirschkuh, und Bruder Immanuel trat zu ihr hinaus. „Ich danke dir viele Male,
dass du gekommen bist“, sagte er, „es ist für die Bärin und ihr Kind, wenn du deine Milch
hergibst.“

„Für die Bären will ich nichts von meiner Milch geben“, sagte die Hirschkuh, „sie haben oft
meinesgleichen gerissen im Walde.“ „Das ist wohl wahr“, sagte Bruder Immanuel, „aber siehst
du, es ist ihr Kind, und es kann nicht gesund werden, wenn du ihm nicht etwas von deiner Milch
schenkst. Nur diese Milch kann dem Kinde helfen, gerade weil die Bären dir Unrecht getan
haben durch die Verwirrung in der Kette der Dinge. Du gehst den Weg des älteren Bruders,
wenn du es tust. Ich gehe auch diesen Weg; sonst dürfte ich dich nicht darum bitten.“

Da gab die Hirschkuh von ihrer Milch, und Bruder Immanuel dankte ihr viele Male dafür. Denn
es war viel mehr, was sie getan, als dass sie ihre Milch hergegeben hatte. Ein Glied hatte sich
entwirrt in der Verwirrung der Kette der Dinge, und ein Schritt war getan auf dem großen Wege
der Erlösung. Es war vielleicht nicht viel, was auf dieser Erde des Scheins geschah; aber in der
Welt der geistigen Wirklichkeiten war es ein gewaltiges Ereignis. Bruder Immanuel tat die rote
Blume, die am Wege der Dornen blüht, mit der Milch der Hirschkuh in eine Schale und reichte
sie dem kleinen Bären. Das Bärenkind trank die Schale aus und schlief sehr tief ein.

„Die Hirschkuh, deren ihr viele gerissen habt, liebe Schwester, hat dir diese Milch gegeben“,
sagte Bruder Immanuel zu der Bärin. „Morgen ist dein Kind gesund.“ In der Seele der Bärin ging
etwas vor, was sie noch nie erlebt hatte. Es war dies eine wunderbare Nacht. „Wir werden
niemals wieder eine Hirschkuh oder eines ihrer Kälber reißen in diesem Walde“, sagte die Bärin,
„ich werde das allen Bären sagen, und sie werden das einsehen.“ Das war wieder ein gewaltiges
Ereignis in der Welt der geistigen Wirklichkeiten. Am anderen Morgen erwachte sie und sah,
dass ihr Kind in der Hütte umhertollte und mit einer hölzernen Kugel spielte. So schloss sich
wieder ein Ring in der Kette der Dinge.

In diesem Walde wurde nie wieder eine Hirschkuh oder ein Hirschkalb gerissen, und wenn
Bruder Immanuel durch den Wald ging, dann grüßten ihn alle Raubtiere schon von weitem.
Er aber segnete sie alle mit dem Segen des älteren Bruders, und er besprach mit ihnen, dass
auf dem Berge, auf dem seine Hütte stand, kein Tier dem anderen etwas tun dürfe. Noch war die
Kette der Dinge nicht entwirrt, und noch musste es geschehen, dass einer den anderen riss zur
Nahrung. Aber auf diesem Berge sollte es nicht mehr geschehen, und die Tiere versprachen
alle, es so zu halten, und sie taten es auch. So hatten die Tiere erfasst, was Asylrecht ist, und
dies war ein großes Ereignis auf der Erde und ein noch größeres Ereignis in der Welt der
geistigen Wirklichkeiten, und es war das größte der großen Ereignisse aus dieser wunderbaren
Nacht.

Aus: „Das Land der Verheißung“ von Manfred Kyber

 

 

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